Ein Drawdown stellt kein wirkliches Problem dar, wenn Gewissheit besteht, dass er in absehbarer Zeit wieder endet. Eine Intermarket Analyse zu ökonomischen Zyklen und ihren Einfluss auf Abverkäufe, Trends und Supertrends, sowie ein Diskurs über den aktuellen Drawdown in der COT Strategie, den Supertrend in den Rohstoffen und die Bedeutung von Market-Ballerinas.

Ein Gastbeitrag unseres Coaching-Mitglieds Dr. Frederik Klauser

 


 

Natürlich, jeder der ernsthaft tradet kann gar nicht anders als immer wieder mal einen Drawdown zu erleben. Es ist praktisch unvermeidbar und gehört zum Geschäft. Allerdings gibt es oft erhebliche Unterschiede im Ausmaß des Drawdowns oder in der Dauer. Steckt man gerade in einem DD ist die zentrale Frage verständlicherweise: wann wird er enden? Oder gar: Endet dieser DD überhaupt, oder ist diesmal alles anders?

Larry Williams hat in seinem Buch „Long Term Secrets to Short Term Trading” über Frankie Joe geschrieben, einem ehemaligen Baseball Spieler, der sich in den Jahren von 1960 bis 1983 als ein wahrlich großartiger Trader einen Namen gemacht hat. Sein Geheimnis war eine „Sell the Rally“ Strategie, bei der er regelmäßig Aktien an ihren Hochs verkauft hat und dann die Positionen nach Rücksetzern mit Gewinn geschlossen hat. Er häufte ein Vermögen damit an.

Dann plötzlich geschah etwas das gleichwohl vorhersehbar wie auch unvorhersehbar war, nämlich der makelloseste Bullenmarkt aller Zeiten, welcher durch die Politik Ronald Reagans mit seinen Steuer- und Budget Kürzungen ausgelöst wurde. Es war irgendwie logisch und vorhersehbar, dass ein Bullenmarkt kommen würde, aber was damals niemand vermutet hätte, ist dass auf dem Weg nach oben es keine Rücksetzer geben wird. Wer also „Sell the Rally“ spielte bekam keine Gelegenheit seine Positionen im Gewinn zu schließen, eine klassische Bärenfalle, so auch Frankie Joe. Am Ende war er so frustriert durch die Verluste und vermutlich auch im Ego angekratzt durch das Ausbleiben von Erfolg (wie alle großen Trader war auch er versessen darauf zu gewinnen), sodass er sich das Leben nahm.

What works, works in this business, but often not for long, which is why I so admire ballerinas: They stay on their toes”
Larry Williams

Was Williams uns versucht damit zu sagen ist es zu verstehen was die treibenden Kräfte im Markt sind und auf die eine Strategie aufbaut. Man sollte nichts, aber vor allem keine Trading-Strategie, als „black-box“ verwenden, indem man beispielsweise einfach Signale nach-tradet.

Das bringt mich zur gegenwärtigen Situation an den Märkten, die ich irgendwie schon als einzigartig empfinde und gleichzeitig zur zentralen Frage: stecken wir diesmal in einem normalen Drawdown wie wir ihn bereits viermal hatten oder ist diesmal alles anders? Vielleicht ist es ja sogar das Ende dass diese Strategie je wieder funktionieren wird? Seit 1962 werden die Commitments of Traders öffentlich gemacht und in diesem langen Zeitraum scheint die COT Strategie funktioniert zu haben, allerdings mit Pausen und Drawdowns. Das suggeriert vorerst, dass sie auch weiterhin funktionieren wird.

In der IW-Performance kann man im Wesentlichen 4-5 Verlustserien erkennen:

  • März 2015 – Mai 2015
  • Juli 2015 – Oktober 2015
  • November 2016 – April 2017
  • November 2018 – April 2017
  • Dezember 2020 – ?

Was mich auf Anhieb stutzig gemacht hat ist die Tatsache, dass es Verlust-Serien sind. Ich würde mir ja erwarten, dass Verlust-Trades statistisch auftreten und man somit eine lineare Performance-Kurve bekommt die zwar rauscht aber langfristig steigt. Stattdessen sehen wir eine Treppenfunktion. Solche Details lassen einem Pedanten wie mir selten Ruhe, weil ich eine Systematik darin vermute, ansonsten müssten die Verlusttrades statistisch verteilt sein. Und Systematiken müsste man doch erkennen und somit vermeiden können. Oder doch nicht?

Die COT Strategie basiert darauf, dass man sich an den Market Insidern orientiert, den Commercials und sich entsprechend positioniert. Die Commercials dominieren langfristig den Preis und darum hat die Strategie einen positiven Erwartungswert, jetzt mal von exaktem Timing und zusätzlich nötiger Trading Eleganz abgesehen. Was, wenn es Marktphasen gibt, in denen die Commercials nicht die Preistreiber sind?

Der gegenwärtige DD scheint von einem Super-Trend in den Rohstoffmärkten ausgelöst zu sein. Die fundamentalen Gründe dafür sind vermutlich in der Makroökonomischen Gesamtsituation zu suchen: einzelne treibende Kräfte sind mit großer Plausibilität konkret die Inflations-Ängste und das damit verbundene Hedging mit Commodities. Die traditionalen Hedger am Markt sind die Commercials, die typischerweise short gehen, aber wer sich gegen Inflation hedgen will geht long im Rohstoffmarkt. Was wir beobachten ist, dass es regelmäßig Sell-Signale in den Märkten gibt, die aber kurzfristig in die long Richtung überschrieben werden oder lediglich kleine Korrekturen statt einer Trendwende auslösen. Das ist ein Indiz, dass die Positionierung der Commercials gegenwärtig nicht der dominierende preistreibende Faktor an den Märkten ist. Zusätzlich erschüttert gerade ein weiteres Erdbeben die Märkte: steigende US-Treasury Yields.

 

Abbildung 1

Abbildung 1: S&P Goldman Sachs Commodity index (blaue Line), US 10Y treasury yields (grüne Line) in relativen Einheiten. Die gelben Boxen kennzeichnen die Perioden, in denen die IW Strategie entweder seitwärts lief oder im DD war. Vertikale Linien Kennzeichnen Punkte im Markt wo sich der entsprechende langfristige Trend geändert hat (Pivot Punkte)

 

In Abbildung 1 sind die DD Perioden als gelbe Bereiche gekennzeichnet. Im letzten DD ist auch deutlich der Supertrend im Commodity Index zu sehen. Ein Supertrend scheint nicht immer der Grund oder Auslöser zu sein, wobei wir keine DD Daten zu vorherigen Supertrends haben.

Wenn man die Hoch- und Tiefpunkte der Bewegungen im Commodity Index und den Treasury Yields markiert, stellt man fest, dass vor allen bisherigen Drawdowns ein Trendwechsel bei diesen erfolgt ist. Das bringt mich zur These: ändert sich ein grundlegender Faktor der den Rohstoffmarkt beeinflusst, dann sind (kurzfristig) die Commercials nicht mehr die dominierenden Preistreiber. Natürlich ist es fragwürdig eine These mit nur Drawdown-Perioden statistisch zu untermauern, aber trotzdem ist es verblüffend. Es fällt auf dass die Trend-Umkehrpunkte im Commodity Index und in den yields nicht simultan ablaufen sondern immer ein paar Wochen voneinander getrennt sind. Die DDs folgen erst ein paar Wochen nachdem auch das zweite Signal eine Umkehr vollzogen hat. Da das Marktrauschen auch beträchtlich ist, wird eine Umkehr als solche auch erst nach ein paar Wochen evident.

Es ist klar, daß Trendwenden mit den großen und kleinen ökonomischen Zyklen korrelieren, darum macht es Sinn einen Blick auf das Big Picture zu werfen (Abbildung 2). Während die Treasury yields sich seit Jahrzehnten in einem übergeordneten Abwärtstrend befinden, zeigen die Commodities und die Akteinindizes stärker ausgeprägte Zyklen mit Boom Phasen und Depressionen. Was zahlreiche Ökonomen in aller Welt allerdings beschäftigt, ist die Frage, wie weit die Zinsen absolut fallen können. Notenbanken halten die Leitzinsen zwar auf niedrigem oder gar negativem Niveau fest, der Markt scheint allerdings gerade bei den US-Staatsanleihen steigende Zinsen einzupreisen. Daran wird sich vorläufig kaum etwas ändern, vorausgesetzt die FED setzt keine invasive Zinspolitik ein mit aktiver Beeinflussung der Zinsstrukturkurve (Operation Twist oder Quantitative Easing). Inwiefern sich die Welt bzw. die globale Verschuldung steigende Zinsen in welcher Form auch immer überhaupt leisten kann, steht natürlich weiterhin im Raum.

 

Abbildung 2

Abbildung 2: Standard&Poors 500 Index (Kerzen), S&P Goldman Sachs Commodity index (violette Line), US 10Y Treasury Yields (grüne Linie) in relativen Einheiten

 

Die großen ökonomischen Zyklen werden in der Yield-Curve deutlich, welche man den Spread zwischen langen (10 years) und kurzen (2 years) Treasuries berechnet, vgl. Abbildung 3. Die Bereiche mit flacher Zinsstrukturkurve bzw. negativer Zinsstruktur fallen in der Regel mit Höchstständen an den Aktienmärkten zusammen und waren stets Vorboten für darauffolgende Crashs.

Die Commodities zeigen leicht zeitversetzt ein ähnliches Verhaltensmuster. Der starke Aufwärtstrend in den Commodities im Zeitraum von 2001 (nach dem Platzen der „dot-com“ Bubble) wurde durch die Finanzkriese kurzfristig in einen Supertrend 2007 bis 2008 verwandelt. Dann gab es einem massiven Zusammenbruch der Commodities Blase nur um im Zuge der Euro-Kriese abermals massiv zu steigen und von 2011 bis 2014 auf extrem hohem Niveau zu verweilen. Ich erinnere mich gut an diese Zeit, als man für einen Liter Benzin in Italien über 2 Euro berappen musste.

Die gegenwärtige Kehrtwende im Treasury-Spread dürfte wohl ohne massive aktive Eingriffe nicht so leicht zum Stillstand kommen, weshalb ich vermute, dass wir wieder auf ein Niveau wie nach den Letzten Rezessionen zulaufen. Ob die Aktienindizes weiter nach oben schießen und ihr Tief mit der Corona-Kriese bereits gesehen haben ist schwer abzuschätzen, allerdings sehen Experten ein Ansteigen der Treasury-Yields als Gift für die Aktienmärkte. Ein Szenario mit einem monatelangen Abverkauf wie auch nach den letzten Rezessions-Perioden wäre durchaus denkbar. Was die Commodities anbelangt ist die Lage noch wesentlich unklarer, neuen Höchststände wie um 2008 wären v.a. bei steigender Inflation durchaus denkbar.

 

Abbildung 3

Abbildung 3: Perioden mit flacher oder negativer Zinsstruktur sind grau gekennzeichnet. Höchststände bzw. Tiefststände sind mit vertikalen Linien markiert. Gestrichelte Linien stellen ein mögliches Szenario dar, basierend auf den letzten Patterns

 

Basierend auf Beobachtung von bedeutenden Trendwenden in den Märkten, ist es denkbar ein rudimentäres Vorhersage-Modell, basierend auf Oszillatoren zu konstruieren (vgl. Abbildung 4). Die drei Oszillatoren, welche auf den SP500, dem GSCI Commodity Index und dem Zins-Spread basieren machen Trendwenden leichter ersichtlich. Besonders interessant sind die Schnittpunkte mit den BUY levels bei 0.1, 0.2 und 0.3.

Verlassen die Oszillatoren diese Levels nach oben, ist ein starker Aufwärtstrend bzw. werden mehrere Levels in kurzer Zeit hintereinander aufwärts durchstoßen ist ein Supertrend äußerst wahrscheinlich. Die verschiedenen Märkte stellen dabei oft Frühindikatoren für Trendwenden in den anderen Märkten dar. Wird hingegen das 0.9 Level nach unten durchstoßen ist das in der Regel ein zuverlässiger Hinweis auf einen folgenden Zusammenbruch des Aufwärtstrends. Bei Aktienindizes ist die Verkaufs-Zone weniger eindeutig, da sich diese häufig lange am Allzeithoch aufhalten und nur kurz zusammenbrechen, wie z.B. in der Corona Krise.

 

Abbildung 4

Abbildung 4: Chart drei Oszillatoren welche sich errechnen aus der Zinsstrukturkurve (10Y-2Y Treasuries (Grüne Linie), dem SP500 (Rote Linie) und dem Goldmann Sachs Commodity Index (Blaue Linie) errechnen und mittels eines gleitenden Durchschnittes geglättet wurden. Perioden von dominanten Aufwärtstrends im Commodity Index sind mit hellblauen bzw. Supertrends mit dunkelblauen Kästchen markiert Vertikale Linien kennzeichnen markante Trigger für die Oszillatoren

Abbildung 5

Abbildung 5: Vergrößerte Darstellung des Zeitraumes von 1984 bis 2006

Abbildung 6

Abbildung 6: Vergrößerte Darstellung des Zeitraumes von der Finanzkriese bis heute

 

Abbildung 5 und Abbildung 6 zeigen jeweils den Zeitraum vor der Finanzkriese 1984 bis 2007 und den Zeitraum danach. Es fällt auf, dass Oszillatoren, die Levels von unten nach oben schneiden, ein Hinweis für einen Commodity-Boom liefern. Insbesondere wenn der Commodity-Oszillator innerhalb kurzer Zeit mit Momentum die Levels 0.1, 0.2 und 0.3 schneidet, folgt meist eine Rally in den Commodities. Der Yield-Oszillator folgte 1999 und 2000 dem Commodity-Oszillator mit beträchtlicher zeitlicher Verzögerung, während er in späteren Boom Phasen diese sogar antizipierte (2007 und 2018)

Werden hingegen Levels von oben nach unten geschnitten, v.a. das 0.9 Level, deutet das häufig einen unmittelbar bevorstehenden Abverkauf in diesem Markt an, aber gilt auch als Frühwarnung für die Commodities. Wenn der Oszillator allerdings gar nicht erst Bereiche über 0.9 erreicht, wie z.B. der Commodity-Oszillator im Zeitraum zwischen 2012 bis 2014, dann liefert z.B. ein Schnittpunkt mit einem anderen Oszillator von oben nach unten einen Hinweis auf einen anstehenden Abverkauf (z.B. der Yield Oszillator schneidet den Commodity Oszillator 2 mal von oben nach unten, 2012 und 2014).

Supertrends sind durch kurzzeitig aufeinander folgende Durchbrüche mehrerer Levels von unten nach oben gekennzeichnet. Es wäre auch denkbar, basierend auf diesem Modell einen „Drawdown-Oszillator“ zu konstruieren, der auf einer kürzeren Zeitskala anspringt.

Da es sich um keine exakte Wissenschaft handelt ist dieses Modell nur näherungsweise aussagekräftig. Die Levels sowie die Parameter für die Oszillatoren können weiter verfeinert werden aber dennoch erscheint das Modell recht zuverlässige Indikationen zu geben. Es ist a priori schier unmöglich einen Trend vom ersten Tief bis zum letzten Hoch mitzumachen, aber selbst das Erkennen von Teilstrecken dürfte dem Anleger einen gravierenden Vorteil verschaffen.

Dennoch scheint ein stark vereinfachtes Modell mit diesen Oszillatoren langfristige Trends und deren Ende recht zuverlässig darzustellen, vgl. Abbildung 7. Treten Buy Signal aus den zwei Märkten hintereinander auf folgt ein starker Aufwärtstrend. Der Goldmann Sachs Commodity Index ist stark mit Crude Oil gewichtet, weshalb ein Supertrend sich demnach maßgeblich im Ölpreis niederschlägt. Allerdings bedingen höhere Energiekosten generell höhere Preise und beeinflussen auch die Preise von anderen Rohstoffen, da Erzeugungs- und Lieferkosten steigen. Ein Vergleich zum Insider-Week Index, welcher weniger stark mit Öl gewichtet ist zeigt eine mehr oder weniger starke Korrelation (graue Linie in Abbildung 7).

Im letzten Jahr und über den Corona Crash hätte dieser Indikator auch auf kleinerer Zeitebene und ungeglättet den Abverkauf, den Aufwärtstrend und den einsetzenden Supertrend vorhergesagt (2 Buy Signale aus unterschiedlichen Märkten, vgl. Abbildung 8). Spannend bleibt die Frage wann die Oszillatoren den Sell-Bereich wieder verlassen – aber das nehme ich, von nun an, gelassen.

 

Abbildung 7

Abbildung 7: Vereinfachte Version GSCI Commodity Index (Monatskerzen) und BUY/SELL Signalen basierend auf Oszillatoren zum Yield-Spread (grün) und des Goldman Sachs Commodity Indexes (blau). Zum Vergleich sind auch der CL Future (orange) und der Insider-Week Index (grau) abgebildet

Abbildung 8

Abbildung 8: Vereinfachte Version GSCI Commodity Index (Takeskerzen) und BUY/SELL Signalen basierend auf Oszillatoren zum Yield-Spread (grün) und des Goldman Sachs Commodity Indexes (blau). Zum Vergleich sind auch der CL Future (orange) und der Insider-Week Index (grau) abgebildet

 

In vielerlei Hinsicht ist die gegenwärtige Situation ähnlich wie die vorhergehenden Rezessionen, aber doch auch anders und gewissermaßen einzigartig. Der Abverkauf im Corona-Crash war extrem schnell, gleichwie die darauffolgende Erholung die zu neuen Aktienhöchstständen führte. Wir haben ein nie dagewesenes Ausmaß an Staatsverschuldung, gepaart mit einem Zufluss von frisch gedrucktem Geld (M2 Money).

Man muss beachten, dass ökonomische Zyklen an den Aktienmärkten 8 bis 12 Jahre dauern, die 4 Phasen Konjunkturzyklen z.B. nach Kondratjew auch längere Perioden von 40 Jahren oder mehr aufweisen. Der M2 Money Flow zeigt in Abbildung 9 kein Anzeichen eines Zyklus, sondern nur einen steten Aufwärtstrend, da die Zeitspanne zu kurz ist für solche Zyklen. Es ist durchaus möglich, dass wir am Ende eines „Großen Zyklus“ stehen z.B. dem Platzen der globalen Schulden Bubble. In diesem Szenario ist dann aber ein Schluss im Hinblick auf das Trading nebensächlich, da uns auch die Vergangenheit keine eindeutige Antwort über den Verlauf dieses einmaligen Zyklus geben kann.

Die Kurzfristigen Zyklen scheinen hingegen einem klaren Pattern zu folgen und es ist durchaus wahrscheinlich, dass gewisse Muster sich wiederholen. Auch hier ist auf längere Sich allerdings ein Muster zu erkennen, nämlich dass Papierwährungen regelmäßig unter Druck geraten, was dann mit den ganz großen Zyklen zusammenfällt (Abbildung 10). Bislang hat der US-Dollar erstaunlich lange überlebt, wir werden sehen welche Auswirkungen die jüngsten Gelddruck-Aktionen der Notenbanken haben werden. Es handelt sich wohl um das geschichtlich größte Experiment dieser Art.

In den Naturwissenschaften wird beobachtet, dass jegliches System das nicht im energetischen Gleichgewicht verweilt, auf lange Sicht immer in den energetisch tiefsten Zustand übergeht, die Lebensdauer von Ungleichgewichten ist begrenzt. Da die Naturgesetze dem Kapitalismus sehr ähnlich sind, ist das wohl auch von den Märkten und der Makroökonomie zu erwarten. Meiner Meinung nach können Brute-Force Eingriffe von Notenbanken (z.B. Yield-Curve control) die ökonomischen Zyklen nicht gänzlich außer Kraft setzen, aber sie können sicherlich das Timing verändern, sowie die Ausschläge nach oben wie unten abfedern.

 

 

Während Supertrends in den Commodities langfristigen Zyklen unterliegen, scheinen die Drawdowns nach der COT Strategie kürzere Perioden zu zeigen. Diesmal fällt ein Supertrend „zufällig“ mit dem Drawdown zusammen, aber denkbar ist es, dass generell größere oder kleinere Trendwenden an den Märkten zu einer (heftigen) Repositionierung von Marktteilnehmern in den Commodities führen und damit kurzfristig preistreibende Dominanz der Commercials beeinträchtigen, was die COT Strategie vorrübergehend unzuverlässiger macht. Eine fundamental-langfristige Änderung des Marktverhaltens ist allerdings nicht zu erwarten, da die prinzipielle Bedeutung und Funktionsweise des Future-Marktes sich nicht ändert.

Somit dürfte auch der InsiderWeek – Drawdown von einer zeitlich begrenzten Dauer sein, aber es obliegt der Pflicht des Traders, die treibenden Kräfte am Markt zu hinterfragen und ggf. mit Anpassung und systematischer Improvisation zu agieren, wie z.B. mit der Anti-COT Strategie.

Great traders, which I hope you become, are smart enough to note and respond to changes.”
Larry Williams

 

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Autor:   Frederik Klauser, Dr. rer. nat.

Frederik.Klauser@gmail.com