Wie kannst du “Rollgewinne” generieren?

Rollgewinne generieren, Rollverluste vermeiden? Was steckt dahinter und wie geht das? In dem folgenden Video spreche ich darüber, was du tun kannst, wenn dein Future an seinem Laufzeitende angelangt ist und dein Broker deine Position schließen möchte.
 
Der nachfolgende Artikel fasst die wesentlichen Inhalte des Videos zusammen und gibt weitere Informationen.
 

 

  
     

 

Futureskontrakte haben ein “Verfallsdatum”. Zu diesem Zeitpunkt wird der Kontrakt nicht mehr gehandelt. Schon vorher wird – vor allem bei Agrarrohstoffen, aber auch bei Energies oder Metalls – mit der physischen Lieferung des zugrunde liegenden Rohstoffs begonnen. Den Stichtag hierzu erfährst du aus den Kontraktspezifikationen: der “First Notice Day” läutet den Beginn der Kontrakterfüllung ein.

Wenn du jetzt keinen Platz für 136 Tonnen Weizen hast (das sind etwas mehr als zwei Eisenbahnwaggons), solltest du vorher deine Position im Weizenfuture schließen.

 

Güterwagen Rollgewinn transportierend

Abb.: 4-Achs-Haubenwagen, Tragfähigkeit 67.000kg ( 1 Weizenfuture = 5.000 bushels entspr. ~136.000kg Weizen)

 

Aber du brauchst keine Angst haben, dass das mit der Lieferung wirklich passieren könnte. Denn dein Broker wird deine Position automatisch zu diesem Zeitpunkt glattstellen.

Wie kannst du in der Position bleiben?

Es kann jetzt aber sein, dass du gar nicht aus der Position raus möchtest! Die Kursentwicklung läuft grad richtig gut – und du möchtest gerne dabei bleiben. Geht denn das?

Soybeans Futures Daily Chart

Soybeans Futures Daily Chart – Source: tradingview.com

 

Antwort: JA, es geht! In dem Fall musst du deinen Future ROLLEN (engl. Fachbegriff: “Rollover”).

Rollen heißt: du stellst deine Position im aktiven Kontrakt glatt und eröffnest eine identische Position in einem Folgekontrakt.

Aber ACHTUNG! Hier musst du SELBST AKTIV WERDEN! Dein Broker würde nämlich nur deine aktive Position glattstellen — und dann bist du komplett draußen und zahlst möglicherweise auch noch zusätzliche Gebühren.

Der Zeitpunkt, um den sich alles dreht, ist der “First Notice Day”. Zu diesem Zeitpunkt teilt der Verkäufer eines Futurs-Kontraktes (Short-Position) der Börse die Absicht zur Lieferung der zugrunde liegenden Ware mit. Daraufhin wird dem Verkäufer von der Clearringstelle ein Käufer (Long-Position) zugeteilt.

 

Contract Specifications Corn

Contract Specifications Corn July – ZCN21 — Source: barchart.com

 

Die Kontraktspezifikationen findest du z.B. bei Barchart (im Bsp.: https://www.barchart.com/futures/quotes/ZCN21/overview)

Für dich als Trader hat der First Notice Day eine andere Bedeutung: dein Broker wird spätestens zu diesem Zeitpunkt deine Position schließen —

Hier MUSST du allerdings die Bestimmungen deines Brokers beachten! Oft liegt der für dich maßgebliche Termin nämlich VOR dem First Notice Day.

Willst in dem betreffenden Markt bleiben, musst du deine Position rollen.

Wie geht das mit dem Rollen?

Wie schon gesagt: deine aktive Position wird glattgestellt. Bist du zwei Kontrakte Long im Soja, verkaufst du sie.

Zeitgleich eröffnest du die selbe Position (zwei Kontrakte long) in einem nachfolgenden Kontrakt. Es muss natürlich nicht der unmittelbare Folgekontrakt sein. Schau dir an, welcher der im Moment gehandelten Kontrakte die aktivsten und liquidesten sind – auf den fixierst du dich!

 

Soybean Prices and Soybean Futures

Im Handel befindliche Soybean-Kontrakte Mai 2021 — Source: barchart.com

 

Und jetzt musst du noch auf etwas achten:

Es befinden sich gleichzeitig mehrere Kontrakte unterschiedlicher Kontraktmonate im Markt. Natürlich sind die aktuellen Preise der einzelnen Kontrakte nicht identisch.

Im “Normalfall” werden spätere Kontrakte teurer gehandelt, je weiter ihre Erfüllung in der Zukunft liegt. Dieser Marktzustand wird “Contango” genannt. Der Grund für dieses Contango sind die Kosten, die vor allem bei Agrarrohstoffen für Lagerung und Pflege des Rohstoffs auflaufen, aber auch Zinskosten und Verwaltungsaufwand. 

Manchmal ist jedoch so, dass die “nahen” Kontrakte teurer sind als die in der Zukunft liegenden. Im obigen Beispiel der Sojabohnen ist dies der Fall. Soybeans befinden sich in einer sogenannten “Backwardation” – das Preisgefüge ist auf den Kopf gestellt, die Kontrakte werden billiger gehandelt, je weiter in der Zukunft ihr Erfüllungsdatum liegt. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn eine Verknappung des Angebots droht (befürchtete Ernteausfälle bei landwirtschaftlichen Rohstoffen oder politische Unsicherheit in wichtigen Produktionsländern). In diesem Fall würde eine erhebliche Nachfragesteigerung den Preis der aktuellen Kontrakte nach oben treiben.

Gewinn oder Verlust beim Rollen machen?

Ein Beispiel

Nehmen wir jetzt an, ich bin im Soja mit einem Kontrakt LONG im Juli-Kontrakt und rolle den zum aktuellen Preis (siehe Bild oben).

Als erstes suche ich den liquidesten Folgekontrakt, und das ist nicht der August- oder September-Kontrakt, sondern der November.

Ich stelle jetzt meine Long-Position bei 1530 glatt und eröffne eine neue Long-Position bei 1372.

Die Differenz dabei beträgt 158, was einen Gewinn von 79.00$ bedeuten würde.

(Auf die genaue Berechnung der Beträge gehe ich an dieser Stelle nicht ein – du findest einen Artikel dazu hier: https://cot-daten.de/kursnotierungen-preisberechnung-grains/)

Ein anderes Beispiel:

Ich bin zwei Kontrakte Long im Gold-Future. Am 26.05.2021 rolle ich vom Juni-Kontrakt in den August-Kontrakt:

Aus diesem Kontrakt …

 

 GC3-202106 - Der Juni-Kontrakt

GC3-202106 – Der Juni-Kontrakt

 

… geht’s hinüber in diesen:

 

GC3-202108 - Der August-Kontrakt

GC3-202108 – Der August-Kontrakt

 

Ich schließe die Juni-Position zum Handelsschluss am 26.05. bei 1896.8 — gleichzeitig eröffne ich zum Handelsschluss eine Long-Position im August-Kontrakt und werde bei 1900.0 in den Markt genommen.

Die Differenz beträgt 3.2, was konkret einen Rollverlust von 32.00$ JE KONTRAKT, also insgesamt 64 Dollar in der Position ergibt.

 

Generelle Regel:

Ob du beim Rollen Gewinn oder Verlust machst, hängt davon ab, ob

  • der Markt sich in Contango (Folgekontrakt ist teurer) oder Backwardation (Folgekontrakt ist billiger) befindet
  • du Long oder Short im Markt bist
Rollgewinn oder Rollverlust — eine Übersicht.

Rollgewinn oder Rollverlust — eine Übersicht.

 

Anmerkung:

Bei den Beispielen und Berechnungen wurden zwei Dinge nicht berücksichtigt, da sie nicht pauschal ermittelt werden können:

  • Slippage, also zu welchem Kurs deine Order tatsächlich ausgeführt wird
  • Gebühren des Brokers

Die Slippage ist von der jeweiligen Volatilität im Markt, aber auch in hohem Maße von der Ausführungsgeschwindigkeit deines Brokers abhängig.

 

Wie wir die Märkte handeln und mit Kontrakten am Verfallsdatum umgehen erfährst du in unseren Handelsplänen. Wir veröffentlichen diese Pläne täglich  von Sonntag bis Freitag auf unserer Website insider-week.com

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Quellen:

Barchart.com hier:

https://www.tradingview.com/chart/JDMvRGbv/

https://pixabay.com

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