Wie der indische Monsun die Rohstoffe beeinflussen kann

Bei Rohstoffen wie Zuckerrohr und Baumwolle kommt es im Sommer oder Herbst häufig zu Preissteigerungen, wenn der Monsun schwach ist. Auch die weltweiten Goldpreise im vierten Quartal werden manchmal von den Einkünften beeinflusst, die Millionen von Landwirten durch einen guten oder schlechten Monsun erhalten oder nicht erhalten.

Warum ist das so? Eine Betrachtung eines Wetterphänomens.

Warum ist der indische Monsun interessant?

Indien ist der weltgrößte Produzent von Zucker, Baumwolle und Hülsenfrüchten und der zweitgrößte Produzent von Weizen und Reis.

Der Erfolg dieser Kulturen wird weitgehend vom Juni-September-Monsun bestimmt, der etwa 70 % der jährlichen Niederschläge des Landes liefert.

Derzeit gibt es Anzeichen für einen neuen Bullenmarkt bei Baumwolle. Das wird ausgelöst durch anhaltende globale Inflationsängste, die erneute Verschärfung der Dürre in Texas UND dem schwachen Beginn des indischen Monsuns.

Die Auswirkungen des Monsuns auf die indischen Landwirte

Der größte Teil des indischen BIP ist vom Wachstum und der Produktion der Landwirtschaft abhängig. Indien ist eine Agrarnation, mehr als 50 % der indischen Bevölkerung verdient ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft.

Der Monsun ist die wichtigste Jahreszeite für die Landwirte in diesem Land. Der größte Teil der indischen Agrarflächen wird durch den Südwestmonsun bewässert. Feldfrüchte wie Weizen, Reis und Hülsenfrüchte sind Grundnahrungsmittel in Indien. Sie brauchen starke Regenfälle, um zu wachsen.

Die beiden Monsunphasen in Indien

Die beiden Monsunphasen in Indien

Das Entstehen des Sommermonsuns (Source: Wikipedia/Geo-Science-International)

Das Entstehen des Sommermonsuns (Source: Wikipedia/Geo-Science-International)

Ein Blick Vergangenheit: Überschwemmungen und Dürreperioden in Indien

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass während La-Niña-Ereignissen die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen in Indien viel größer ist als von Dürren. Im Gegensatz dazu sind während bestimmter (nicht aller) El-Niño-Ereignisse eher Dürreperioden die Regel.

Eines der bedeutendsten Dürrejahre mit Auswirkungen auf den Markt war der Sommer 2009. Damals trieben Überschwemmungen in Brasilien in Verbindung mit einer schweren Dürre für Zuckerrohr und Baumwolle die Zuckerpreise in die Höhe.

Was die großen Überschwemmungen angeht, so ist vor allem das La Niña-Jahr 2010 in Erinnerung geblieben. Die Auswirkungen auf die pakistanische Baumwollproduktion waren tatsächlich größer als irgendwo sonst. Damals gab es Dürreperioden in den weltweiten Weizenanbaugebieten und einen historischen Anstieg des Baumwollpreises auf über 2,00 USD aufgrund von La-Niña-Problemen.

Der „indische Dipol“ wird negativ: Was sind die möglichen Auswirkungen des indischen Monsuns angesichts der derzeitigen La Niña?

Als Indischer-Ozean-Dipol (IOD) bezeichnet man eine natürlich vorkommende Anomalie der Meeresoberflächen-Temperatur im Ost- und Westbereich des äqutorialen Indischen Ozeans.

Hierbei ist der westliche äquatornahe Bereich des Indischen Ozeans wärmer und der östliche Teil des äquatornahen Indiks kühler als normal. Dies hat im gekoppelten Ozean-Atmosphäre-System weitreichende Folgen.

Diese System weist eine Zyklendauer von etwa 30 Jahren auf, in denen sich positive, negative sowie neutrale Phasen in halbjährigen Zyklen abwechseln. Bei einem positiven IOD-Ereignis fällt auf der Westseite des indischen Subkontinents weniger Niederschlag während an der Ostküste nun mehr Niederschlag eintrifft.

Das IOD-Ereignis steht in starker Wechselwirkung mit dem El Niño Southern Oscillation (ENSO) Phänomen. Ein positives IOD-Ereignis kann El Niño auslösen und umgekehrt.

Ein negativer indischer Dipol steht in ebensolcher Wechselwirkung mit La Niña. Normalerweise bedeutet La Niña gute indische Ernten oder einige Überschwemmungen, aber keine Dürre. Ein negativer indischer Dipol UND La Niña können jedoch die Hitze des indischen Sommers und eine gewisse Verringerung der Baumwoll-, Zucker- oder Erdnussernte zur Folge haben.

Betrachten wir zum Beispiel das Jahr 1996, das zu einer Weizendürre in den Plains und zu einer Explosion der Weizenpreise bis zur Ernte (Ende Mai und Juni, als die Preise zu fallen begannen) führte. In diesem Jahr gab es einen schwachen Monsun und einen relativ trockenen Spätsommer für mehr als 50 % der Anbauflächen.

Juli-Wetter 1969 basierend auf negativem indischen Dipol und La Nina (climatepredict.com)

Juli-Wetter 1969 basierend auf negativem indischen Dipol und La Nina (climatepredict.com)

Der indische Monsun und der Goldpreis

Der Monsun zeigt interessanterweise auch einen direkten Einfluss auf die Goldpreise. Gold spielt bei den 10 Millionen indischen Hochzeiten pro Jahr eine wichtige Rolle. Die indische "Hochzeitssaison" dauert von Ende Oktober bis Mitte Januar.

Ein starker Monsun verschafft Millionen von indischen Landwirten zusätzliches Einkommen, um mit der Hochzeit verbundene Goldartikel zu kaufen. Dürreperioden hingegen haben den gegenteiligen Effekt.

Der indische Monsun kann den Goldpreis im 4. Quartal beeinflussen.

Der indische Monsun kann den Goldpreis im 4. Quartal beeinflussen.

Schlussfolgerung:

Die Karte zeigt geringe Niederschläge für Weizen in den Plains und deutet auf einen schwachen Beginn des indischen Monsuns hin.

Juni-Niederschlags-Anomalien (in % vom Normal)

Juni-Niederschlags-Anomalien (in % vom Normal)

Wir glauben, dass die Baumwollpreise angesichts der bereits knappen Bestände, der Inflationsängste und der sich wieder ausweitenden Dürre in Texas das größte Aufwärtspotenzial haben. Andere Rohstoffe wie Zucker können jedoch ebenfalls beeinflusst werden, wenn der Monsun bis August schwach bleibt.

Die Zuckerpreise bewegen sich seit Monaten in einer engen Range, ganz im Gegensatz zu dem unglaublichen, historisch volatilen Erdgasmarkt. Die höheren Rohölpreise verhindern einen starken Rückgang der Zuckerpreise. Dies liegt daran, dass höhere Zuckerpreise in der Regel bedeuten, dass die brasilianischen Zuckerrohrbauern weniger Zucker und mehr Ethanol produzieren — also mehr Zuckerzu Ethanol verarbeitet wird, was rentabler ist. Ein schwacher indischer Monsun würde den Zuckerpreisen in diesem Sommer zu einer Erholung verhelfen, sofern der Rohölpreis nicht einbricht.

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Über den Autor

Karl-Heinz (Charlie) Ramer kommt ursprünglich aus der IT, wo er als freiberuflicher Dozent, Programmierer und System-Admin tätig war. Zu InsiderWeek fand er über einen Bekannten, nachdem er als Daytrader harten Schiffbruch erlitten hatte. Mit der Strategie von Max konnte er schließlich erstmals Erfolge vorweisen.

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