Nachschusspflicht bei Futures | Wie gefährlich sind GAPS?

Nachschusspflicht bei Futures | Wie gefährlich sind GAPS?

Hallo Insider,

wann entsteht eine Nachschusspflicht bei Futures bzw. anderen Finanzprodukten und wie können wir diese verhindern? Außerdem erkläre ich, was GAPS sind und welche Risiken mit ihnen verbunden sind.

Hier das passende Video zum Thema:

Hier das Transkript zum Video:

Nachschusspflicht bei Futures

Nachdem wir bereits viel über die Vorteile von Futures gesprochen haben, wollen natürlich auch mal die kritische Seite durchleuchten. Schaut man sich die vielen Vorteile an, die Futures bieten, dann kann man schon verwundert sein, warum diese so selten genutzt werden. Nun, dies mag in Deutschland der Fall sein, in anderen Ländern sind sie sehr verbreitet und beliebt.

Wenn man deutschsprachige Trader fragt, warum sie keine Futures handeln, dann werden am häufigsten diese 3 Gründe genannt:

  • Zu wenig Geld, die Mindestmarge ist nicht ausreichend, sprich: Die Kontogröße ist zu klein.
    Dieses Argument haben wir bereits zerstreut, indem wir mehrere Videos über Mini und Micro-Futures gemacht haben. Theoretisch kann man also bereits ab 5.000€ Futures traden und dennoch ein konservatives Risk and Moneymangement betreiben.
  • Angst vor physischer Lieferungs- oder Abnahmepflicht der Rohstoffe
    Auch darüber haben wir ein Video gemacht und erklärt, warum dies nicht passieren kann. Dass ein Futures-Kontrakt notfalls vom Broker automatisch geschlossen wird und eine tatsächliche Verpflichtung einen Rohstoff zu liefern bzw. abzunehmen, ausgeschlossen ist.
  • Der letzte Grund ist die sogenannte Nachschusspflicht. Das heißt: Die Sorge darüber, dass man mehr Geld verlieren kann, als man eigentlich eingesetzt hat. Darüber reden wir heute!

Was bedeutet Nachschusspflicht?

Da wir gehebelte Derivate handeln, besteht theoretisch die Gefahr, dass wir Geld nachzahlen müssen, wenn unsere hinterlegte Margin aufgebraucht ist. Der Broker wird sich melden und um Deckung der entsprechenden Summe bitten, andernfalls wird die offene Position geschlossen. Dies ist der berühmte Margin Call. In den meisten Fällen und je nach Vereinbarung wird die Position allerdings auch automatisch geschlossen, sobald die Margin Gefahr läuft, aufgebraucht zu werden. Im börslichen Regelbetrieb wäre dies kein Problem. (Außer natürlich, dass dein Tradingkapital verloren ist.) Wer sich ein robustes Moneymangement erarbeitet hat, wird wohl nie in die Situation kommen.

Hält man eine Position allerdings auch über das Wochenende oder über mehrere Handelstage, besteht die Möglichkeit, dass eine Position mit einem GAP in den neuen Handelstag startet. Also mit einer Kurslücke zum letzten Schlusskurs.

GAPS

Dies kann positiv als auch negativ für uns Trader ausfallen. Gründe dafür sind oft unvorhersehbare Ereignisse, während der Handel geschlossen ist. Der Markt überspringt zur neuen Eröffnung somit einen Teil der Kursstände und startet zum neuen, fairen Börsenwert. Eine Position wurde also trotz Stop Loss nicht geschlossen, da der Handelsplatz geschlossen war. GAPs gehören zum Trading dazu, unabhängig welches Produkt wir handeln. Eine neue Handelswoche startet fast nie am Schlusskurs der Vorwoche. Oftmals sind die Unterschiede nur gering, können aber in seltenen Fällen auch extrem sein. Wir können uns davor nur schwierig absichern. Die wenigen Möglichkeiten, die wir haben sind:

Nachschusspflicht bei Futures

Wie kann es zur Nachschusspflicht kommen?

Nun, wir traden mit Geld, welches wir gar nicht besitzen. Nur so kommt schließlich die Hebelwirkung zustande, mit welcher wir in der Lage sind, deutlich besser zu performen als mit ungehebelten Produkten wie z. B. Aktien. Teilweise benötigen wir für 100% bewegtes Kapital lediglich ca. 5% Margin. Mit 5.000€ können wir also 100.000€ bewegen. 95.000€ mehr, als wir vielleicht besitzen. Die restlichen 95.000€ leiht uns der Broker. Verändert sich das Underlying im Wert, z. B. der Goldpreis, so verändert sich unser Kapital 20-Fach. Somit ist der Hebel 20. Wir profitieren also zu 100% vom Wertzuwachs des Basiswertes und nicht nur zu 5%. Ganz genauso würde uns aber auch der Wertverlust des Basiswertes zu 100% betreffen. Und wenn der Trade richtig schief geht und der Eigenanteil (also die 5%) bereits weg ist, dann wird Kapital angegriffen, welches wir gar nicht besitzen, nämlich das Kapital vom Broker, was er uns geliehen hat. Dieser hätte das Geld allerdings gerne zurück, denn auch dieser hat Profitabsichten und will kein Minus machen. Eine Nachschusspflicht ist also nur fair. Wenn wir mit einem Hebel handeln, dann müssen wir auch die Konsequenzen dafür tragen, wenn wir mit fremden Geld handeln.

Wie kann man nun die Früchte ernten, ohne sich die Finger zu verbrennen?

Durch ein ausgeklügeltes und striktes Risk and Moneymangement System! Wir traden eine Swingtrading-Strategie auf Tageskerzen. Somit müssen unsere Stops ohnehin bereits deutlich weiter entfernt liegen als auf Stunden oder Minutenkerzen. Wir platzieren unsere Trades auf dem Tageschart und müssen dementsprechend auch unsere Stops auf Tageskerzen platzieren. Wir berechnen also unser Risiko pro Trade so, dass unsere weiten Stops auf Tageskerzen dennoch nur einen maximalen Verlust von ca. 3% vom Konto beträgt. GAPs müssten schon sehr groß ausfallen, um unseren festgelegten Stop zu überspringen. Natürlich kann es Situationen geben, wo so was vorkommt. Doch selbst wenn ein GAP das doppelte oder dreifache einer durchschnittlichen Tagesrange ausmacht, dann beträgt der Verlust nach unserem System dennoch nur einen kleinen Anteil unseres Kapitals. Um also tatsächlich in die unangenehme Situationen zu kommen, Geld nachzahlen zu müssen, um unsere Margin wieder zu decken, müsste der Kurs schon ein historisch extremes GAP ausbilden. Wir handeln nicht nur nach Markttechnik, sondern auch nach fundamentalen Daten, weswegen GAPs deutlich öfter in unsere Richtung geschehen, als gegen uns.

FAZIT

Eine Nachschusspflicht ist eine gängige und nachvollziehbare Handhabung und sollte uns stets daran erinnern, unser Risiko entsprechend zu kalkulieren. Wer sein Geld kontinuierlich vermehren möchte und es beim Broker nicht nur aus Spaß einzahlt, weil er es verzocken möchte, der handelt wohl auch nicht „all in“, sondern hält sich an sein gesetztes Limit. Auch wenn man rückblickend betrachtet in 99 von 100 Fällen auch ein deutlich höheres Risiko vertragen hätte, so sollte man immer bedenken, dass der hundertste Trade mächtig schief gehen kann. Für genau diesen Trade halten wir uns zu jeder Zeit an unser maximales Risiko. Wir müssen also einen gesunden Mittelweg finden und unser Risikomanagement so aufbauen, dass wir alle Trades ohne Schaden überstehen und dennoch gut performen. Es ist wie immer im Leben eine Frage der Balance. Wie in einem meiner letzten Vlog bereits erwähnt, erschafft man ein robustes System, indem man sämtliche Werte im Durchschnittsbereich hält. Dies betrifft den StopLoss, den Takeprofit und neben vielen weiteren Werten auch das Risiko pro Trade. Also keine Extremwerte.

Ich will die Möglichkeit einer Nachschusspflicht also nicht runter spielen. Wir sollten die Möglichkeit dieser Nachzahlung stets im Hinterkopf behalten, sollten wir uns aus Gier und Übermut nicht an unsere Risiko-Regeln halten. Somit können wir diese Nachschusspflicht zu unserem Vorteil nutzen und wenn es nur dazu führt, dass wir uns eben immer an die eigenen Regeln halten! Für die Profis stellt eine Nachschusspflicht kein Problem dar, weil das Risk and Moneymanagement so aufgebaut ist, dass diese nicht mal annähernd an das Limit kommt. Wir bei InsiderWeek haben nur 30% Kapitalauslastung und ganze 70% des Kapitals liegt als Sicherheitspuffer da. Und von diesen 30% riskieren wir wiederum nur einen kleinen Teil pro Trade. Aus diesem Grund ist die Nachschusspflicht für uns und andere Profis kein Thema.

In diesem Sinne: Erkenne die Gefahr aber lass dich nicht verunsichern. Wo Früchte zu holen sind, lauern auch immer Risiken. Einen Freelunch gibt es an der Börse nicht.

Ich wünsche dir eine profitable und risikoarme Handelswoche, beste Grüße.

Hier geht`s zu unserem YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/channel/UCOjVSjflbqYgMOK_DXpmvBg

Über den Autor

Karl-Heinz (Charlie) Ramer kommt ursprünglich aus der IT, wo er als freiberuflicher Dozent, Programmierer und System-Admin tätig war. Zu InsiderWeek fand er über einen Bekannten, nachdem er als Daytrader harten Schiffbruch erlitten hatte. Mit der Strategie von Max konnte er schließlich erstmals Erfolge vorweisen.

Das könnte dich auch interessieren

Handelsergebnisse
Futures Trading nach COT Daten KW25-2022

Nach zwei negativen Wochen in Folge nun wieder ein positives Ergebnis. Und wieder, wie in den beiden Vorwochen, waren die Trades im COT-2-Account dafür maßgeblich...

Erfahre mehr >>
Handelsergebnisse
Futures Trading nach COT Daten KW24-2022

-9,911$ Verlust - unsere Negativserie setzte sich diese Woche fort. Nach dem monströsen Verlust der letzten Woche konnten wir auch in der aktuellen Handelswoche...

Erfahre mehr >>
STRATEGIE
Swing Trading lernen: wie du Step-by-Step ins Swing Trading startest

Für den Handel an den Finanzmärkten existieren drei wesentliche Handelsstile...

Erfahre mehr >>
Handelsergebnisse
Futures Trading nach COT Daten KW23-2022

Ein Wochenergebnis von fast -23.000$ - wie ist das möglich? Dieses Ergebnis ist nicht nur das zweitschlimmste in 2022 (getoppt noch von der KW05)...

Erfahre mehr >>
Handelsergebnisse
Futures Trading nach COT Daten KW22-2022

Zwei Märkte haben in dieser Woche unser Ergebnis von +2.505$ beeinflusst: Lean Hogs, zu deutsch „Magerschwein“ und Rough Rice, also Reis.

Erfahre mehr >>
TRADING GRUNDLAGEN
Futures handeln? 10 Antworten, die Futures und Futures Trading einfach erklären

Du suchst nach einer Futures Definition und Futures Trading Erklärung...

Erfahre mehr >>
STRATEGIE
3 Swingtrading Strategien für Berufstätige und Vielbeschäftigte

Du möchtest erfolgreich an den Finanzmärkten dieser Welt handeln, doch du hast das Problem...

Erfahre mehr >>
STEUER & GESETZE
Ist es bald AUS mit Futurestrading in Deutschland?

Hallo Insider, hallo Tradercommunity, vielleicht hast du es ja schon mitbekommen...

Erfahre mehr >>
TRADING GRUNDLAGEN
US-Börsenhandelszeiten: die 4 wichtigsten US-Futuresbörsen

Wir bei Insider Week handeln ausschließlich US-Futures...

Erfahre mehr >>
Tradingpsychologie
Angst: Emotionen im Trading

„Das macht mir Angst“ — „Ich habe Angst davor“ — Wie oft hören wir diese Sätze? Oder gebrauchen sie selbst? Und in welchem Zusammenhang geschieht das?

Erfahre mehr >>
Erfolgsstories
Wer ist Larry Williams?

Larry Richard Williams wurde am 06. Oktober 1942 in der 8.000-Seelen Kleinstadt Miles City in Montana...

Erfahre mehr >>
Strategie
Dax Trading Pattern Down Up Down

Dieses Dax Trading Pattern besteht aus 3 Tageskerzen. Erster Tag ist ein negativer Tag, zweiter Tag ist ein positiver Tag und der letzter Tag ist erneut ein negativer Tag...

Erfahre mehr >>
Weltmeisterschaft
World Cup Trading Championships 2021 – InsiderWeek in den Sieger-Rängen

Hallo Insider, es gibt erfreuliche Neuigkeiten! Wir nehmen auch in der Saison 2020/21 wieder an den World Cup Trading Championships®...

Erfahre mehr >>
Steuer & Gesetze
Jahressteuergesetz 2021: Tradingsteuer und die “Trading GmbH”

Kann ich mit einer „Trading GmbH“ steuerliche Vorteile in Anspruch nehmen...

Erfahre mehr >>

Bleib dran

Registriere dich für unseren Newsletter und du erfährst wann das nächste freie Webinar stattfindet. Ansonsten melden wir uns nur, wenn wir etwas zu sagen haben.