Das Wichtigste vorweg
Im Futures-Handel bewegen sich Preise nicht völlig frei in beliebigen kleinen Schritten. Stattdessen gibt es eine kleinste mögliche Preisbewegung, die ein Kontrakt machen kann. Diese kleinste Einheit nennt man Tick.
Das Verständnis von Tick Movements ist entscheidend, weil Gewinn und Verlust im Futures-Trading direkt von diesen minimalen Preisbewegungen abhängen.
Mindestpreisbewegung (Minimum Price Fluctuation)
Jeder Futures-Kontrakt hat eine festgelegte Minimum Price Fluctuation, also die kleinste mögliche Preisänderung, die im Markt auftreten kann. Diese minimale Bewegung wird Tick genannt.
Wichtige Punkte:
- Die Tickgröße wird von der Börse festgelegt, auf der der Futures-Kontrakt gehandelt wird.
- Sie unterscheidet sich je nach Futures-Kontrakt, weil verschiedene Märkte unterschiedliche Liquidität, Kontraktgrößen und Handelsstrukturen haben.
- Sie bestimmt die Preisstufen, in denen sich der Markt bewegen kann.
Das bedeutet: Ein Futures-Preis kann sich nicht kontinuierlich in beliebigen Werten verändern, sondern nur in klar definierten Tick-Schritten, die vom jeweiligen Kontrakt vorgegeben werden.
Beispiel: E-Mini S&P 500 Futures
Ein klassisches Beispiel ist der E-Mini S&P 500 Futures-Kontrakt, einer der meistgehandelten Futures weltweit.
Die wichtigsten Daten:
- Tickgröße: 0,25 Indexpunkte
- Wert eines Indexpunkts: 50 USD
Damit ergibt sich der Wert eines Ticks:
0,25 × 50 USD = 12,50 USD
Das bedeutet:
- Steigt der Markt um 1 Tick, verdient ein Long-Trader 12,50 USD pro Kontrakt
- Fällt der Markt um 1 Tick, verliert er 12,50 USD pro Kontrakt
Schon kleine Preisbewegungen können also direkte finanzielle Auswirkungen haben.
Tipp für Einsteiger:
Die Micro-Kontrakte: Wenn dir der Tick-Wert von 12,50 USD beim Standard E-Mini für den Anfang zu hoch ist, sind Micro E-Mini Futures die ideale Lösung.
Bei diesen Kontrakten bleibt die Tickgröße mit 0,25 Punkten identisch, aber der finanzielle Wert ist zehnmal geringer:
- E-Mini S&P 500: 1 Tick = 12,50 USD (Punktwert 50 USD)
- Micro E-Mini S&P 500: 1 Tick = 1,25 USD (Punktwert 5 USD)
Das ermöglicht dir ein präzises Risikomanagement mit kleineren Konten, da du Marktbewegungen mit deutlich geringerem Kapitalrisiko erlernen kannst.
Beispiel: WTI Crude Oil Futures
Ein weiteres Beispiel ist der WTI Crude Oil Futures-Kontrakt, der an der NYMEX gehandelt wird. Die wichtigsten Daten:
- Tickgröße: 0,01 USD pro Barrel
- Kontraktgröße: 1.000 Barrel
Der Tick-Wert berechnet sich so:
0,01 USD × 1.000 = 10 USD
Das bedeutet: Jede kleinste Preisbewegung im Markt entspricht 10 USD Gewinn oder Verlust pro Kontrakt.
Warum Tickgrößen wichtig sind
Die Tickgröße definiert die Stufen im Orderbuch (DOM – Depth of Market). Jede Preisebene im Buch entspricht genau einem Tick. Wenn der Markt "dünn" ist, kann der Preis mehrere Ticks mit nur einer Order überspringen (Slippage).
Tickgrößen spielen eine wichtige Rolle für die Marktstruktur und die Liquidität eines Futures-Marktes. Deshalb werden sie von den Börsen nicht zufällig festgelegt, sondern bewusst so gewählt, dass der Handel möglichst effizient funktioniert.
In Märkten mit geringer Liquidität kann es jedoch zu Slippage (Slippage) kommen: Eine große Order "überspringt" dabei mehrere Ticks, weil auf dem aktuellen Preisniveau nicht genügend Gegenorders vorhanden sind. Das Verständnis der Tick-Struktur hilft dir also, die Ausführungsqualität deiner Trades besser einzuschätzen.
Die Börsen definieren Tickgrößen unter anderem, um:
- ausreichende Liquidität im Markt zu fördern, sodass viele Kauf- und Verkaufsorders zusammenkommen
- enge Bid-Ask-Spreads zu ermöglichen, also einen kleinen Abstand zwischen Kauf- und Verkaufspreis
- einen stabilen und effizienten Handel für alle Marktteilnehmer zu gewährleisten
Dabei muss die Tickgröße gut zum jeweiligen Markt passen. Ist ein Tick zu groß, kann sich der Preis nur in relativ groben Schritten bewegen, was die Preisbildung ungenauer macht.
Ist er dagegen zu klein, entstehen sehr viele minimale Preisstufen, wodurch sich die Liquidität auf zu viele Preislevels verteilt.
Deshalb wählen Börsen Tickgrößen so, dass sie zur Größe des Kontrakts, zur Marktliquidität und zur Handelsaktivität des jeweiligen Futures passen.
Tickgröße und Chart-Darstellung
Die Tickgröße beeinflusst auch, wie "glatt" oder "sprunghaft" ein Kurschart aussieht.
- Kleine Ticks: Je kleiner die Tickgröße im Verhältnis zum Gesamtpreis ist, desto flüssiger wirken die Preisbewegungen im Chart. Dies ist oft bei hochliquiden Märkten der Fall.
- Große Ticks: Ist die Tickgröße im Vergleich zum Preis sehr groß (oft bei illiquiden Instrumenten), wirkt der Chart "lückig" oder "treppenartig". Der Preis springt dann von einer Stufe zur nächsten, was die technische Analyse erschweren kann.
Warum sieht mein Chart "zackig" aus?
Die Tickgröße bestimmt maßgeblich die Ästhetik deines Charts. In hochliquiden Märkten mit kleinen Ticks (relativ zum Preis) wirkt der Kursverlauf glatt und flüssig.
Wenn du jedoch einen Markt mit einer sehr großen Tickgröße oder geringer Aktivität handelst, wirkt der Chart oft "lückig" oder treppenartig. Da sich der Preis nur in groben Schritten bewegen kann, entstehen optische Sprünge, die die klassische Chartanalyse (wie das Zeichnen von Trendlinien) erschweren können.
Wo Du die Tickgröße eines Futures findest
Die genaue Tickgröße eines Futures-Kontrakts kannst Du immer in den Produktspezifikationen der jeweiligen Börse nachschlagen. Diese Spezifikationen geben Dir alle wichtigen Details, die Du für den Handel benötigst.
Dazu gehören unter anderem:
- Tickgröße: die kleinste mögliche Preisbewegung des Kontrakts
- Tick-Wert: der Geldwert, den ein Tick für Deinen Gewinn oder Verlust hat
- Kontraktgröße: wie viel des zugrunde liegenden Assets ein Kontrakt abbildet
- Handelszeiten: wann der Kontrakt gehandelt werden kann
- Ablaufdaten: das Datum, an dem der Kontrakt ausläuft
Mit diesen Informationen kannst Du genau einschätzen, wie sich Preisbewegungen auf Gewinn und Verlust auswirken, welche Liquidität vorhanden ist und wie Du Deine Trades optimal planen kannst.
Fazit
Tick Movements sind ein zentraler Bestandteil des Futures-Handels. Sie bestimmen, wie sich Preise bewegen, welchen Einfluss kleine Schwankungen auf Gewinn und Verlust haben und wie liquide der Markt ist.
Indem Du Tickgröße, Tick-Wert und Kontraktstruktur verstehst, kannst Du Deine Trades gezielter planen und Marktbewegungen effizienter nutzen. Ein genaues Wissen über diese Grundlagen ist daher entscheidend für jeden erfolgreichen Futures-Trader.
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