Das Wichtigste vorweg
Jeder Futures-Kontrakt hat eine begrenzte Laufzeit. Anders als Aktien können Futures nicht unbegrenzt gehalten werden. Irgendwann erreicht jeder Kontrakt sein Ablaufdatum, den sogenannten Expiration Date.
Für Trader ist es wichtig zu verstehen, was zu diesem Zeitpunkt passiert und welche Möglichkeiten sie vor dem Ablauf eines Kontrakts haben.
Was bedeutet Expiration bei Futures?
Expiration bezeichnet das Datum, an dem ein Futures-Kontrakt offiziell endet.
Zu diesem Zeitpunkt muss der Vertrag erfüllt werden. Das bedeutet:
- Der Kontrakt wird geschlossen
- oder es erfolgt eine Lieferung bzw. ein finanzieller Ausgleich
Die meisten Futures laufen zu einem fest definierten Termin im jeweiligen Liefermonat aus.
Zum Beispiel:
- Index-Futures laufen häufig im März, Juni, September und Dezember aus
- viele Rohstoff-Futures haben monatliche Laufzeiten
Das genaue Ablaufdatum ist Teil der Contract Specifications jedes Futures.
Welche Optionen Trader vor dem Ablauf haben
Bevor ein Futures-Kontrakt sein Ablaufdatum erreicht, haben Trader mehrere Möglichkeiten. In der Praxis entscheiden sich die meisten Marktteilnehmer nicht dafür, den Kontrakt bis zum Ablauf zu halten. Stattdessen können sie ihre Position vorher anpassen.
Die drei wichtigsten Optionen sind:
1. Position schließen
Trader können ihre Position jederzeit schließen, indem sie eine entgegengesetzte Order ausführen.
Beispiel:
- Du bist long in einem Futures-Kontrakt
- Du verkaufst denselben Kontrakt
Damit ist die Position geschlossen. Das ist der häufigste Weg, wie Futures-Trades beendet werden.
Dieser Vorgang wird in der Fachsprache als Offsetting bezeichnet. Es ist die am häufigsten genutzte Methode, um eine Verpflichtung aus einem Futures-Kontrakt aufzuheben, ohne bis zum Laufzeitende warten zu müssen.
2. Position in einen späteren Kontrakt rollen
Viele Trader möchten ihre Marktposition weiter halten, auch wenn der aktuelle Futures-Kontrakt bald ausläuft. In diesem Fall wird die Position gerollt.
Dabei passiert Folgendes:
- Der aktuelle Kontrakt wird geschlossen
- gleichzeitig wird ein Futures-Kontrakt mit späterer Laufzeit eröffnet
Dieser Prozess wird Contract Roll genannt und ist in vielen Märkten ein regelmäßiger Bestandteil des Handels.
Wichtig zu beachten: Ein Contract Roll ist nicht kostenlos. Da du eine Position schließt und eine neue öffnest, fallen erneut Transaktionskosten (Kommissionen) sowie die Geld-Brief-Spanne (Spread) an. Zudem kann der Preis des neuen Kontrakts höher oder niedriger sein als der des aktuellen (Contango oder Backwardation).
- einen Futures verkaufen
- und später seine Ernte liefern
Diese Art der Abwicklung ist besonders wichtig für Märkte wie:
- Landwirtschaft
- Energie
- Metalle
Trotzdem wird nur ein kleiner Teil der Futures-Kontrakte tatsächlich physisch geliefert. Die meisten Positionen werden vorher geschlossen.
Der First Notice Day: Ein wichtiges Datum für Trader
Bei Kontrakten mit physischer Lieferung gibt es ein entscheidendes Datum vor der eigentlichen Expiration: den First Notice Day (FND). Dies ist der erste Tag, an dem die Börse einen Käufer zur Abnahme der Ware auffordern kann.
Achtung: Die meisten Broker erlauben privaten Retail-Tradern nicht, Positionen in physisch gelieferten Rohstoffen bis zum Ende zu halten. Da ein durchschnittlicher Trader weder über die Logistik noch über Lagerkapazitäten für 1.000 Barrel Öl oder 5.000 Scheffel Mais verfügt, wird der Broker die Position meist einige Tage vor dem FND oder dem Ablaufdatum zwangsweise schließen, um eine physische Lieferung zu verhindern.
Wichtiger Hinweis für Privatanleger: Behalte den First Notice Day immer im Auge. Broker schließen Positionen oft automatisch, um die physische Abnahme von Tonnen an Rohstoffen zu verhindern.
Cash Settlement
In vielen Futures-Märkten erfolgt die Abrechnung nicht durch Lieferung eines Rohstoffs, sondern durch Barausgleich.
Dabei wird einfach die Differenz zwischen dem Futurespreis und dem endgültigen Abrechnungspreis berechnet. Diese Differenz wird dann:
- dem Konto gutgeschrieben
- oder vom Konto abgezogen
Diese Form der Abrechnung nennt man Cash Settlement.
Sie wird häufig verwendet bei:
- Aktienindex-Futures
- Zins-Futures
- Währungs-Futures
Da hier kein physisches Produkt existiert, ist eine Lieferung ohnehin nicht möglich.
Warum die meisten Trader nicht bis zum Ablauf halten
Die Mehrheit der Futures-Trader hält Kontrakte nicht bis zum Settlement. Der Grund ist einfach: Viele Marktteilnehmer handeln Futures ausschließlich, um von Preisbewegungen zu profitieren.
Sie haben kein Interesse daran:
- Öl zu liefern
- Mais zu erhalten
- oder Metalle zu transportieren
Deshalb werden Positionen meist vor dem Ablauf geschlossen oder gerollt.
Kurz zusammengefasst
Jeder Futures-Kontrakt hat ein festgelegtes Ablaufdatum (Expiration). Vor diesem Zeitpunkt können Trader:
- ihre Position schließen
- den Kontrakt rollen
- oder ihn bis zum Settlement halten
Beim Settlement wird der Kontrakt endgültig erfüllt, entweder durch physische Lieferung oder Barausgleich (Cash Settlement)
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